Oratorium 2003
Oratorium 2003
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- Kategorie: Projekte
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- Geschrieben von K. Rosenfeldt
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Weihnachtsoratorium 2003 in der Liederhalle Stuttgart
Vorsicht – Bach !
Erfahrungen mit einem nicht alltäglichen Kooperationsprojekt

„Musik ist die Sprache, die jeder versteht“ ist auf den Werbekarten der Konzertreihe Musik am 13 der Stadtkirche und der Lutherkirche in Bad Cannstatt zu lesen. Die Gültigkeit der Aussage lässt sich am besten an Schülerinnen und Schülern überprüfen, von denen es im Allgemeinen heißt, sie würden Halt suchen an Bekanntem und der Zugang zu fremden Welten fiele Ihnen schwer. Wie sollen diese Menschen eine Musik begreifen, die strengen mathematischen Regeln folgt? Wie können sie eine barocke Sprache verstehen, die heute kaum mehr zu hören ist? Werden da Schülerinnen und Schüler aus Schulen für Geistigbehinderte nicht hoffnungslos überfordert bzw. vor den Wagen einer guten Sache gespannt? Bedenken, die Hohngelächter erwarten lassen.
Wer den emotionalen Zugang der Schülerinnen und Schüler zu dieser ihnen bisher unbekannten Musik erlebt hat, ihre Rührung, ihre Freude und ihren Einsatz beobachten konnte, für den sind diese Grundsatzfragen sofort beantwortet. Zugegeben es gab auch junge Chormitglieder aus den beiden Schulen, die sagten: „Das klingt komisch, da wollen wir nicht mitsingen.“ Aber diejenige, die sich für das Weihnachtsoratorium entschieden haben – und die Trennungslinie ging bei einem Geschwisterpaar sogar quer durch die Familie -, taten dies mit Haut und Haaren. Und ihre Lernchancen in diesem Projekt sind riesig : Das ausdauernde Üben der Schülerinnen und Schüler im Schulchor, das Gemeinschaftserleben mit Erwachsenen im Chor, die Konzentration der Schüler auf die Körpersprache des Dirigenten, das live Hören und Erleben eines ganzen Orchesters, das Blitzlichtgewitter der Fotografen beim Pressetermin, und vieles mehr ist Anlass für neue Erfahrungen. Es ist spürbar, wie stolz die Eltern sind und wie diese Erfahrungen das Selbstwertgefühl der Schülerinnen und Schüler stärkt.

(Cannstatter Zeitung vom 23.12.2003, bitte klicken Sie den Artikel für
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Natürlich wissen wir auch, dass das gesamte Weihnachtsoratorium mit zu singen, die Schülerinnen und Schüler überfordern würde. Wir haben für die Schülerinnen und Schüler entschieden, nur am Konzert in der Liederhalle teilzunehmen. Und auch bei diesem Konzert findet beim gemeinsamen Singen eine Konzentration auf 3 Choräle statt, die Jörg-Hannes Hahn, der Leiter des Bachchors, auswählte. Der Choral „Ach, mein herzliebes Jesulein“ ist das Lieblingslied der jungen Sängerinnen und Sänger. Der Text rührt sie an. Hier erleben die Schülerinnen und Schüler singend die ganze Klangfülle eines Orchesters. „Ich steh an Deiner Krippe hier“ ist der wichtigste Choral des Weihnachtsoratoriums und von daher schon ein Muss. Er ist aber auch das größte Risiko. Hier wird sehr leise gesungen und jeder falsche Ton ist hörbar. Und der Schlusssatz „Nun seid Ihr wohl gerochen“ mag sprachlich missverständlich sein, bietet sich aber durch den Aufbau des Weihnachtsoratorium von selbst an.
Die Kooperation mit dem Bachchor und dem Bachorchester ist ein Glücksfall für die beiden Schulen. Das Konzert hilft die musikalische Welt in ihrer Vielfalt den Schülerinnen und Schüler zugänglich zu machen. Eine neue Erlebniswelt wird mit dem Weihnachtsoratorium aufgefächert und erfahrbar gemacht, die über den Augenblick hinaus wirken wird. Mit diesem Ereignis wird der alltägliche Lebensbereich der Schülerinnen und Schüler überschritten. Unser Dank gilt deshalb allen, die dieses Projekt angestoßen, umgesetzt, unterstützt und verantwortet haben Dieses Schlusskonzert zum „Europäischen Jahr der Menschen mit Behinderungen 2003“ wurde bereits im Vorfeld zum unvergesslichen Erlebnis für die Beteiligten beider Schulen. Wir werden auch in Zukunft versuchen diesen Weg fortzusetzen.

Das Weihnachtsoratorium am 21.12.2003 in der Liederhalle war ein schöner Abschluss des Europäischen Jahres der Menschen mit Behinderung. 1800 Zuschauer hörten sich unser Konzert an. Die SchülerInnen der Christian-Hiller-Schule und der Fröbelschule waren stolz auf ihre Leistung. Es war ihnen klar, die meisten Menschen waren wegen ihnen gekommen. Wir sind froh darüber, dass alle sich auf das Wagnis eingelassen haben. Das Konzert hat uns Mut gemacht. Wir sind offen und bereit für die Mitwirkung am kulturellen Leben in Stuttgart.
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